Wissen
MALOMA und KAKTETE: Worte entscheiden über Verhalten – gerade unter Druck
Wortwahl im Alltag bewusst einsetzen
Von Elmar Büttner · 360
«Das ist dein Problem.»
«Was brauchst du, um weiterzukommen?»
Stell dir vor, du kommst bei einer Aufgabe nicht weiter und bittest jemanden um Unterstützung. Lies beide Antworten einmal laut. Bei welcher möchtest du das Gespräch fortsetzen?
Ein voller Kopf, wenig Zeit, eine kritische Bemerkung – und schon fällt ein Satz, den du am liebsten zurücknehmen würdest. Genau solche Situationen greifen wir mit MALOMA und KAKTETE auf.
An solchen Unterschieden setzt meine Arbeit mit MALOMA und KAKTETE an. Ich nutze die beiden Begriffe in meinen Trainings, um Wortwahl bewusst zu machen: KAKTETE steht für kantige, negative, abweisende Formulierungen. MALOMA steht für runde, positive, zugewandte und lösungsorientierte Formulierungen. Wir nehmen typische Antworten aus dem Alltag und erarbeiten Möglichkeiten, sie klar und wertschätzend auszudrücken.
Dieser Ansatz begleitet mich seit rund 30 Jahren. Ich habe ihn in verschiedenen Verkaufs- und Mindset-Trainings eingesetzt. Bei 360 verbinde ich ihn mit dem Thema Kommunizieren unter Druck.
Was wir mit unseren Worten ausdrücken
Ein Telefon klingelt. Die nächste Aufgabe wartet bereits. Jemand fragt zum dritten Mal nach. Vielleicht kennst du einen Satz, der dir in solchen Momenten schnell über die Lippen kommt: «Das geht jetzt nicht.» Oder: «Das habe ich doch schon erklärt.»
Bei MALOMA und KAKTETE betrachten wir solche Sätze genauer. Was möchte ich eigentlich mitteilen? Was braucht mein Gegenüber, um mich zu verstehen? Und wie kann ich das so sagen, dass ein nächster Schritt erkennbar wird?
Aus «Das geht jetzt nicht» kann beispielsweise werden: «Ab 14 Uhr kann ich dich dabei unterstützen.» Diese Antwort nennt eine konkrete Möglichkeit. Voraussetzung ist natürlich, dass ich die Zusage auch einhalten kann.
Für die Arbeit an solchen Formulierungen nutze ich vier grundlegende Sprachregeln.
Vier Sprachregeln für den Alltag
1. Vom Problem zur Lösung
«Das geht nicht» beschreibt eine Grenze. Die Frage nach einer möglichen Lösung führt weiter: Was geht, wann geht es oder wer kann helfen?
KAKTETE: «Keine Ahnung.»
MALOMA: «Ich informiere mich und gebe dir eine Rückmeldung.»
Wenn möglich, ergänze, wann die Rückmeldung kommt. So weiss dein Gegenüber, wie es weitergeht.
2. Vom Zwang zur Einladung
Eine Bitte lässt sich mit ihrem Zweck verbinden. Das Gegenüber erfährt, wozu der gewünschte Schritt dient.
KAKTETE: «Du musst mir die Unterlagen heute schicken.»
MALOMA: «Bitte schick mir die Unterlagen heute, damit wir morgen gemeinsam starten können.»
Die Bitte bleibt klar. Zugleich wird ihr Sinn verständlich.
3. Von der Bewertung zur Beschreibung
Bei Rückmeldungen können wir konkret benennen, worum es geht, und nach einem nächsten Schritt fragen.
KAKTETE: «Du bist zu langsam.»
MALOMA: «Wie können wir den Ablauf beschleunigen?»
Für ein konkretes Gespräch können wir die Aufgabe ergänzen: «Wir brauchen die Unterlagen bis 15 Uhr. Was brauchst du, um sie bis dahin fertigzustellen?» Damit gibt es einen klaren Bezugspunkt für die weitere Abstimmung.
4. Vom Defizit zum Nutzen
Was kann ich anbieten? Was bekommt mein Gegenüber? Diese Fragen helfen bei der Formulierung einer Antwort.
KAKTETE: «Ich habe nur zehn Minuten für dich.»
MALOMA: «Ich nehme mir jetzt zehn Minuten für dein Anliegen. Was ist dir am wichtigsten?»
Die verfügbare Zeit bleibt gleich. Die zweite Formulierung stellt die gemeinsame Nutzung dieser Zeit in den Vordergrund und lädt dazu ein, das wichtigste Anliegen zu benennen.
Kommunizieren unter Druck beginnt bei mir
Im Training verbinden wir die Wortwahl mit der eigenen Haltung, der Stimme und den Pausen. Dafür lässt sich schon mit einem einzigen Satz arbeiten: «Ich schaue nach, was möglich ist.» Sprich ihn einmal hastig und einmal mit einer kurzen Pause davor. Achte darauf, welche Unterschiede du selbst hörst.
Für das nächste anspruchsvolle Gespräch kannst du dir drei Schritte vornehmen:
- Wahrnehmen: Welcher Satz liegt mir gerade auf der Zunge? Wie spreche ich?
- Kurz innehalten: Was ist das Anliegen meines Gegenübers, und was möchte ich klären?
- Bewusst antworten: Welche Formulierung beschreibt die Situation und den nächsten Schritt verständlich?
Diese Übung verbindet Selbststeuerung mit konkretem Gesprächsverhalten. Bei 360 gehört sie zum Prozess Verstehen – Wahrnehmen – Regulieren – Anwenden. Wir betrachten eine Situation, erkennen eigene Muster, nehmen uns einen Moment für die bewusste Antwort und erproben diese im Gespräch.
MALOMA und KAKTETE in Beratung und Arztpraxen
In Beratungsgesprächen kannst du den Blick auf das richten, was dein Gegenüber bekommt: «Die Leistung bekommen Sie für … Darin enthalten sind … Welche Fragen haben Sie dazu?» Bei Unsicherheit kann eine Frage anschliessen: «Was möchten Sie noch wissen, um Ihre Entscheidung treffen zu können?»
Auch in Arztpraxen gibt es am Empfang und am Telefon viele Gelegenheiten, mit konkreten Formulierungen zu arbeiten. Nehmen wir eine Rückfrage, die am Empfang noch nicht beantwortet werden kann. Eine mögliche Antwort lautet: «Ich kläre das mit der Ärztin und melde mich bis morgen bei Ihnen.» Zuständigkeit und nächster Schritt werden damit benannt.
Wie spreche ich mit mir selbst?
MALOMA und KAKTETE lassen sich auch auf die eigenen Selbstgespräche beziehen. Aus «Ich schaffe das nicht» kann beispielsweise «Ich probiere es» werden.
Für eine konkrete Aufgabe könnte daraus werden: «Ich probiere zuerst diesen einen Schritt.» Frag dich: Welcher Schritt wäre jetzt überschaubar? Was brauche ich dafür? Wen könnte ich um Unterstützung bitten?
So erhält die neue Formulierung einen Bezug zu einer Handlung, die du tatsächlich ausprobieren kannst.
Eine kleine Übung für dein nächstes Gespräch
Wähle einen Satz aus deinem Arbeitsalltag, den du künftig bewusster formulieren möchtest. Schreib ihn so auf, wie du ihn normalerweise sagst.
Beantworte dann drei Fragen:
- Was möchte ich damit mitteilen?
- Welche der vier Sprachregeln hilft mir bei dieser Situation?
- Wie lautet eine klare Alternative, die ich auch laut natürlich sagen kann?
Zum Beispiel:
Mein bisheriger Satz: «Du hörst mir nie zu.»
Meine neue Formulierung: «Mir ist dieser Punkt wichtig. Bitte lass mich kurz ausreden, danach möchte ich deine Sicht hören.»
Sprich deine Alternative laut aus. Probiere sie im nächsten passenden Gespräch aus und beobachte anschliessend: War meine Antwort verständlich? War der nächste Schritt klar? Was möchte ich beibehalten?
MALOMA und KAKTETE bei 360 erleben
In meinen Vorträgen und Trainings arbeiten wir an solchen Alltagssituationen. Im Thema «Kommunizieren unter Druck» verbinden wir Wortwahl mit Selbststeuerung, Stimme und Gesprächsführung.
Du möchtest mit deinem Team an konkreten Gesprächssituationen arbeiten? Schreib mir an elmar@360personality.ch.
